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Und so stehen sie am Ende zusammen, die verhinderten Partner, sich selber im Wege, freundschaftlich Arm in Arm. Bis sie sich nach einem letzten klärenden Gespräch endgültig trennen.

Die Schmerzensmänner

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Januar 29, 2012 · 11:25 am

Erinnerungen an Dich – Teil 4

Winterlicher Fluss (Quelle: fryz)
Spaziergänge waren uns das Liebste. Wie oft wanderten wir durch Wälder, durch Städte, dem Wasser entlang oder auch nur zur nächsten Bushaltestelle, nur um festzustellen, dass der Bus um diese Zeit schon längst nicht mehr so fuhr, wie wir dachten.

Winter war es, doch vom Schnee noch nichts oder auch schon wieder nichts mehr zu sehen. Die Kälte spürten wir trotz der Jacke und den Handschuhen. Aber wir genossen sie. Sie zeigte uns, dass wir lebten.

Wir liefen einem Fluss entlang zu einem Punkt, wo sich drei Flüsse begegneten. Das Wasser floss still und ruhig an uns vorbei, langsam und gemütlich. Ohne Eile unterwegs, so wie wir. Wir sahen den Wellen zu, die sanft miteinander spielten. Verrückt mag man es nennen, als ich Schuhe und Socken auszog, meine Hosen hochkrempelte und ins eiskalte Wasser stieg. Zögernd, aber mit glänzenden Augen folgtest du mir. Die Füsse spürten wir bald nicht mehr, doch das war uns egal. Du liefst sogar zu einem etwas entfernten Steininselchen, nur um mir von dort zuzuwinken und mich lachend herauszufordern. Ich bezweifelte, dass mich meine eiskalten Füsse noch so weit trugen und bald kamst auch du zurück.

Wir freuten uns auf die Wärme zuhause.
Und spürten, wie wir lebten.

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Erinnerungen an Dich – Teil 3

Schneeschaukel (Quelle: blogigo.de)
In der Nacht konntest du selten ruhig schlafen. Ich stellte mich schlafend daneben, um dir keine Gewissensbisse zu machen, dass du mich auch wach hälst. Oder wir redeten bis uns die Augen von alleine zu fielen. Spätnachts, in den Stunden, in denen die Geister der Mitternacht bereits wieder in ihre Spuckschlösser zurückkehrten, kamen uns die tollsten Ideen.

Du warst unruhig und ich schlug vor, noch etwas spazieren zu gehen. Du hieltest es erst für einen Scherz und meintest, ich sei doch müde und würde das nur ihr zuliebe vorschlagen. Wie recht du hattest. Trotzdem brauchtest du das nicht zu wissen, denn ich wollte für dich da sein. Schlafen würde ich noch lange in meinem Leben.

Wir zogen uns etwas Warmes über und schleichten aus dem Haus deiner Eltern. Du liefst in den dicken Trainerhosen los – wer würde uns um die Zeit schon sehen. Wir wanderten und wanderten. Die stille Nacht verströmte ihre kühle Luft und ihre dunkle Ruhe. Unzählige Sterne glänzten am Firmament und beleuchteten unseren Weg. Eine Strassenbeleuchtung nur für uns zwei.

Die Schaukel eines einsamen Spielplatzes reizte dich. Wir setzten uns darauf und flogen. Immer weiter, immer höher. Den Sternen so nah wie nur möglich. Der Übermut überkam uns. Ich stelle mir vor, wie wir beide in den Himmel fliegen würden, weg von der Welt. Nur wir zwei im endlosen dunklen Himmel, den Sternen immer näher, dem Mondmann zuwinkend und immer weiter.

Zufrieden und müde spazierten wir zurück.
Nur wir zwei, in der dunklen Nacht.

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Erinnerungen an Dich – Teil 2

Rusalka (Quelle: krusenstern.ch)
Wir lagen gemeinsam vor dem Fernseher. Du wolltest ja immer nur liegen, gebettet auf weiche Decken, mit der Gewissheit, dass irgendwann sämtliche Glieder entweder verkrampften oder einschlafen würden. Rusalka lief im flimmernden Bildschirm. Du mochtest diesen Film so sehr. Und trotz seiner gewissen Trostlosigkeit mochte ich ihn auch. Dieses Mädchen faszinierte mich.

Es war Winter und als wir nach dem Film zufällig einen Blick nach draussen warfen, tanzten die ersten Schneeflocken vom Himmel. Es war wie im Märchen, so dick und träge fielen sie herunter und bedeckten die Bäume und das Laub unter einem feinen Teppich aus purer, weisser Reinheit. Du schautest mich an und ich sah in deinen Augen einen verrückten Gedanken aufblitzen. Du brauchtest dir keine Mühe zu machen, mich zu überreden. Wir sprangen hinaus in die kalte Nacht, ohne Schuhe, ohne Socken. Wir tanzten durch den eiskalten Schnee und liessen die Pracht auf uns hinabregnen. Meine Füsse spürte ich bald nicht mehr, doch du tanztest noch immer. Eine Eisprinzessin, barfuss im Schnee. Eine Meerjungfrau der Kälte. Meine Rusalka.

Du warst schon immer etwas verrückt.
Und ich liebte diese Art so an dir.

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Erinnerungen an Dich – Teil 1

Herbst mir Dir

Ich mag mich an unzählige Augenblicke erinnern, die wir nebeneinander im Bett verbrachten. Deine Räucherstäbchen brannten, draussen spielte der Wind und das Wetter mit dem Laub der Bäume. Schwach nur durch die leicht geöffneten Fenster hörbar. Zwei, drei Kerzen beleuchteten uns und deine Lavalampe spendete etwas Licht und Wärme.
Wir lagen einfach nur da. Du schmiegtest dich in meine Arme und hörtest meinem Herzschlag zu. Und die Zeit schien stillzustehn.

Wir redeten. Oh, und wie wir das taten! Wohl noch niemandem zuvor konnte ich so viele Gedanken anvertrauen. Wir sprachen über die intimsten Dinge, die ich oft sogar erst in dem Augenblick des Redens realisierte. Du stelltest die seltsamsten Fragen, auf die ich wie selbstverständlich mit den ungewöhnlichsten Antworten aufwartete. Wir schwankten zwischen Lachen und Ernsthaftigkeit, doch stellten wir nie unser Reden und den Moment in Frage. Nein, wir genossen was wir taten, wie wir lebten und wie wir fühlten.

In einem dieser Momente vergoss ich einige Tränen. Du fragtest besorgt, was denn los sei und wie es mir ginge.
Ich antwortete nur: „Ich bin glücklich.“
Und du freutest dich für mich.

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Über die Schwierigkeit des Nichtstuns

Aus der Sicht des Betrachters:
Er sitzt da und starrt auf den Bildschirm, eine Hand liegt auf der Maus, die andere ist locker auf der Tastatur abgelegt. Von aussen betrachtet wohl eine typische Büroszene, deren man keine weitere Beachtung schenken würde, wäre da nicht…

Die fast schon totale Regungslosigkeit verwirrt den Beobachter. Wäre er älter, könnte man denken, er sei friedlich an einem Herzinfarkt erlegen, oder im Sitzen einfach verstorben. Aber er ist jung, wohl knapp über zwanzig Jahre alt. Er sitzt da und starrt. Die Maus bewegt sich nicht. Nicht ein Buchstabe auf der Tastatur wird getippt. Ein Asien-Kenner könnte auf den Gedanken kommen, dass er meditiert, aber dafür wirkt die Szene zu gestresst, zu rastlos. Die Augen flackern, ab und zu zuckt das Auge nervös. Und trotzdem verharrt er in dieser Position.

Aus der Sicht des Betrachteten:
Dieser Nachmittag dauert nun schon eine gefühlte Ewigkeit. Eigentlich hätte ich viele Projekte, die ich bearbeiten müsste. Projekte, die auf den Abschluss warten. Aber wie soll man an diesen arbeiten, wenn ich das Okay oder den Rat von Dritten benötigt? Dritte, die nirgendwo aufzutreiben sind, oder wenn, dann nur in solcher Hektik, dass sie für alles andere nur nicht für mich Zeit finden?
Am Anfang ist es ja nicht so schlimm. Ich geniesse die Zeit, die ich, sozusagen auf erlaubte Art und Weise, mir selbst widmen kann. Ich lese die privaten Mails, statte dem heutzutage obligatorischen Gesichterbuch einen Besuch ab oder lese ein bisschen in einer Onlinezeitung. So kann ich etwas Zeit totschlagen, während ich darauf warte, dass die Gesuchten wieder auftauchen oder Zeit für mich finden.
Tun sie nicht.
Na gut, dann also weiter in der Selbstbeschäftigung. Ich erinnere mich an Blogs, die ich schon lange nicht mehr besucht habe. An Witze-Seiten, andere Onlinezeitungen als die Übliche. Irgendwann habe ich alle Seiten besucht, die mir in den Sinn kommen. Dann muss Google für irgendwelche unsinnigen Suchaktionen herhalten. Zwischendurch ein kleiner Test, ob ich jetzt weiterarbeiten kann..
Kann ich nicht.
Ich könnte mir noch irgendwelche Gedanken machen. Zum Beispiel wie ich die Wohnzimmermöbel umstellen könnte, was ich alles nach der Arbeit noch einkaufen muss, was ich am Wochenende wieder mal machen könnte.
Etwas Bewegung hilft auch, also laufe ich ziellos am Arbeitsplatz umher, statte Arbeitskollegen Besuche ab, gehe öfter und länger als nötig auf die Toilette. Blick auf die Uhr: viel zu früh für Feierabend.
Irgendwann sitze ich wieder an meinem Arbeitsplatz und warte. Ich habe alles durchgedacht, was ich denken könnte, ich habe das Ende des Internets erreicht – zweimal.
Jetzt sitze ich da und warte. Praktisch reglos starre ich den Bildschirm an und warte darauf, dass entweder Zeit für Feierabend wird, oder ich irgendwann weiterarbeiten kann.

Ich warte, und warte, und warte..
Ich wüsste zu gern, was jemand über mich denken würde, der mich jetzt beobachten könnte..

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Der bedeckte Sinn

Solange ich lebe
werd ich mich fragen,
wohin es mich zieht,
wofür ich denn lebe.

Der einzige Sinn,
einzig Zerstreuung,
ist Liebe und Lernen,
für ein besseres Bald.

Die Suche nach Sinn,
nur Vergeudung,
von Momenten der Ruhe,
von Zeiten der Freude.

Das Ziel der Suche,
doch stets gewünscht,
die Suche selbst,
belanglos und nichtig.

Der Sinn ist da,
bedeckt von Schleier,
vom Wind der Zeit,
schon bald befreit.

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