Schlagwort-Archive: Hermann Hesse

Zwischen den Stühlen

Diese Grausamkeiten [des Mittelalters] sind in Wirklichkeit keine. Ein Mensch des Mittelalters würde den ganzen Stil unseres heutigen Lebens noch ganz anders als grausam, entsetzlich und barbarisch verabscheuen! Jede Zeit, jede Kultur, jede Sitte und Tradition hat ihren Stil, hat ihre ihr zukommenden Zartheiten und Härten, Schönheiten und Grausamkeiten, hält gewisse Leiden für selbstverständlich, nimmt gewisse Übel geduldig hin. Zum wirklichen Leiden, zur Hölle wird das menschliche Leben nur da, wo zwei Zeiten, zwei Kulturen und Religionen einander überschneiden. Ein Mensch der Antike, der im Mittelalter hätte leben müssen, wäre daran jämmerlich erstickt, ebenso wie ein Wildtier inmitten unserer Zivilisation ersticken müsste. Es gibt nun Zeiten, wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten, zwischen zwei Lebensstile hineingerät, dass ihr jede Selbstverständlichkeit, jede Sitte, jede Geborgenheit und Unschuld verlorengeht.

Harry Haller in „Der Steppenwolf“ (Hermann Hesse)

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Eingeordnet unter Tagesgedanken, Zitate

Es gibt keine Wirklichkeit

Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben. Darum leben die meisten Menschen so unwirklich, weil sie die Bilder ausserhalb für das Wirkliche halten und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Wort kommen lassen.

Hermann Hesse, in “Demian”

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April 9, 2012 · 7:44 am

Hermann Lauscher

Der müde Sommer senkt das Haupt
Und schaut sein falbes Bild im See;
Ich wandle müde und bestaubt
Im Schatten der Allee.

Ich wandle müde und bestaubt,
Und hinter mir bleibt zögernd stehn
Die Jugend, neigt das schöne Haupt
Und will nicht fürder mit mir gehn.

– Hermann Hesse (in “Hermann Lauscher”) –

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Dezember 23, 2011 · 8:00 pm

Hermann Lauscher

Zu allen Zeiten meines späteren Lebens ist meine Kindheit oft in vielfachen Bildern zu mir getreten, lockig, fremd und unerlöst wie ein blasses Märchenkind. Am meisten suchte mich diese Erinnerung in schlaflosen Nächten heim, mit einem Blumenduft oder einer Liedweise beginnend, bis zu Trauer, Ungemach und Todesbitterkeit, oder zu einer zärtlichen Sehnsucht nach Streichelhänden und einer milden Neigung zu Gebet und Tränen.

Hermann Hesse (in “Hermann Lauscher”)

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Dezember 23, 2011 · 10:00 am

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne.
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an und wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

– Hermann Hesse (Wege nach Innen) –

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Eingeordnet unter Gedichte

Was ich mit meinem eigenen, einmaligen Leben anfange

Ich kann Ihnen keine Fragen beantworten, ich kann meine eigenen Fragen nicht beantworten. Ich stehe ebenso ratlos und ebenso bedrückt von der Grausamkeit des Lebens wie Sie. Dennoch habe ich den Glauben, dass die Sinnlosigkeit überwindbar sei, indem ich immer wieder meinem Leben doch einen Sinn setze. Ich glaube, dass ich für die Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit des Lebens nicht verantwortlich bin, dass ich aber dafür verantwortlich bin, was ich mit meinem eigenen, einmaligen Leben anfange.

Hermann Hesse

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Dezember 12, 2011 · 4:00 pm

Lesen ohne Liebe

Lesen ohne Liebe, Wissen ohne Ehrfurcht, Bildung ohne Herz ist eine der schlimmsten Sünden gegen den Geist.

Hermann Hesse

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Dezember 10, 2011 · 5:21 pm

Das Leben jedes Menschen

Das Leben jedes Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades. Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen; jeder strebt dennoch, es zu werden […]. – Mancher wird niemals Mensch […]. Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Und allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, wir alle kommen aus demselben Schlunde, aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziele zu. Wir können einander verstehen, aber deuten kann jeder nur sich selbst.

Hermann Hesse

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Dezember 9, 2011 · 7:48 pm

Die Künstlerehe

Der Roman hat mir viel zu schaffen gemacht und ist für mich ein, wenigstens einstweiliger, Abschied von dem schwersten Problem, das mich praktisch beschäftigt hat. Denn die unglückliche Ehe, von der das Buch handelt, beruht gar nicht auf einer falschen Wahl, sondern tiefer auf dem Problem der “Künstlerehe” überhaupt, auf der Frage, ob überhaupt ein Künstler oder Denker, ein Mann, der das Leben nicht instinktiv leben, sondern vor allem möglichst objektiv betrachten und darstellen will -, ob so einer überhaupt zur Ehe fähig ist.

Hermann Hesse (zu seinem Roman “Herrensitz Rosshalde”)

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Dezember 9, 2011 · 11:45 am

Day 30 – An Author that you will read whatever they put out

Es gibt ja so einige Autoren, deren Bücher den Händlern mit grössten Erwartungen aus den Händen gerissen werden, sobald sie im Handel erscheinen. Ich erinnere mich da an die mitternächtlichen Verkaufsaktionen der Harry Potter-Bände. Ich möchte hier aber über meinen persönlichen Lieblings-Autoren schreiben, von dem ich noch immer nicht alle Bücher gelesen habe. Zum Glück (?) aber ist er schon tot, so dass sich das Lese-Soll nicht stetig erhöhen könnte.

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Eingeordnet unter 30 Day Book Meme