Schlagwort-Archive: Gedicht

Herbst (und doch auch zeitlos)

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gedichte

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gedichte

Über die Kritik Grass‘ am Staate Israel

Link zum Gedicht

Ein weiteres Fettnäpfchen in der Sammlung von Günter Grass. Ungeachtet des Inhaltes der Kritik ist gerade der Kritiker selbst sehr umstritten. Immer wieder kommt der Vorwurf seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS, sobald er in irgendeiner Weise Kritik an der Politik Israels übt. Wer jetzt noch mit der Aussage „Er hätte es früher sagen müssen.“ kommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Vergangenes ist vergangen und Menschen können sich ändern.

Deutschland ist immer noch hoffnungslos in einer Phase der Selbstkritik und pauschalem Schuldgefühl verstrickt. Bald 70 Jahre ist es her, dass Hitler mit seinem Selbstmord den Krieg endgültig beendete. Wenige, die damals aktiv Greueltaten verübten, leben noch und die neue Generation wuchs mit einem indoktrinierten Gefühl für die Verantwortung für diese Taten auf. Kaum einer von ihnen hat aber je aus antisemitischen Hintergründen einem Juden Gewalt angetan. Wo endet also die Verantwortlichkeit für die Vergangenheit?

Weiterlesen

3 Kommentare

Eingeordnet unter Ereignisse, Tagesgedanken

Der Leser

Der Leser

Wer kennt ihn, diesen, welcher sein Gesicht
wegsenkte aus dem Sein zu einem zweiten,
das nur das schnelle Wenden voller Seiten
manchmal gewaltsam unterbricht?

Selbst seine Mutter wäre nicht gewiss,
ob er es ist, der da mit seinem Schatten
Getränktes liest. Und wir, die Stunden hatten,
was wissen wir, wieviel ihm hinschwand, bis

er mühsam aufsah: alles auf sich hebend,
was unten in dem Buche sich verhielt,
mit Augen, welche, statt zu nehmen, gebend
anstiessen an die fertig-volle Welt:
wie stille Kinder, die allein gespielt,
auf einmal das Vorhandene erfahren;
doch seine Züge, die geordnet waren,
blieben für immer umgestellt.

– Rainer Maria Rilke –

Hinterlasse einen Kommentar

Dezember 26, 2011 · 10:00 am

Abend

Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewusst,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.

– Joseph von Eichendorff –

Hinterlasse einen Kommentar

Dezember 25, 2011 · 8:00 pm

Hermann Lauscher

Der müde Sommer senkt das Haupt
Und schaut sein falbes Bild im See;
Ich wandle müde und bestaubt
Im Schatten der Allee.

Ich wandle müde und bestaubt,
Und hinter mir bleibt zögernd stehn
Die Jugend, neigt das schöne Haupt
Und will nicht fürder mit mir gehn.

– Hermann Hesse (in “Hermann Lauscher”) –

Hinterlasse einen Kommentar

Dezember 23, 2011 · 8:00 pm

Still und eilig fliesst das Wasser
Wellen kräuseln sich im Wind,
weisse Gischt verziert die Welle,
die dort unter vielen schwimmt.

Sie stürzt sich in das Wellental
mit Wagemut und Lust hinab
und klettert dann den Kamm empor,
das Spiel find’t nun von vorne statt.

Bis die kleine Welle dann
der Reiterei genuge hat
und ausläuft in die stille See,
mit ruhigem Stolz betritt ihr Grab.

Hinterlasse einen Kommentar

November 26, 2011 · 5:08 pm

Dein Weg

Wir laufen durch das Leben,
wissen, wer wir sind,
und gehen diese Schritte,
die uns eigen sind.

Wir laufen durch das Leben,
in ausgetretenen Pfaden,
ewiggleiche Utopie,
die wir geglaubt zu haben.

Und doch…

Auf einmal hälst im Schritt du inne,
die Spur verwischt, der Pfad so blank,
dein nächster Tritt scheint unbekannt,
und irrend fragst du nach dem Wege,
doch keinem scheint er wohlbekannt.

Du irrst und suchst und weisst nicht weiter,
ein Rat von mir, ein Blick zur Seite,
klärt dir die Sicht und lässt dich wissen:
der Pfad geht nur dort drüben weiter.

Und so weisst du:
Dein Weg scheint manchmal unsichtbar,
scheint weg zu sein und du allein,
doch irrst du, wenn führungslos dich glaubst:
der Pfad führt nur woanders weiter.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

– Rainer Maria Rilke –

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Lange Zeit

Diese letzten Sonnenstunden,
treibend im herbstlichen Wind
und Gedanken fliegen ins Uferlose,
wo Sein und Haben nicht zu finden sind.

In Gedanken fliegen auch Gefühle,
letztlich weg von mir und doch,
bleibt ein Rest in meinem Herzen,
der Wärme und Sonne für den Winter borgt.

Diese Gedanken sind an dich gerichtet,
die du mich seit Jahr und Tag begleitest
und dein Spuren Paar im Sand sich zeichnet,
stets auf meinem Weg dabei.

Du weisst es nicht, was ich hier fühle,
sollsts nicht wissen, einerlei,
weil du endlich würdest leiden müssen,
wenn ich nicht geben kann, was du verlangst.

Und so flieg ich im Herbstwind weg von hier,
in der Gedanken und Gefühle Boot,
schwebe, treibe, fliege, fühle,
was ich keinem Menschen je entbot.

Du bist der Wind, der mich begleitet,
mich trägst und stützt auf meinen Flug,
unsichtbar, doch immer da.
Selbst unwissend ob dem Sein in meiner Seele
und deinem Platz in meinem Herzen,
seit ich dich zum ersten Male sah.

Hinterlasse einen Kommentar

November 3, 2011 · 10:24 pm