Schlagwort-Archive: Du

Erinnerungen an Dich – Teil 4

Winterlicher Fluss (Quelle: fryz)
Spaziergänge waren uns das Liebste. Wie oft wanderten wir durch Wälder, durch Städte, dem Wasser entlang oder auch nur zur nächsten Bushaltestelle, nur um festzustellen, dass der Bus um diese Zeit schon längst nicht mehr so fuhr, wie wir dachten.

Winter war es, doch vom Schnee noch nichts oder auch schon wieder nichts mehr zu sehen. Die Kälte spürten wir trotz der Jacke und den Handschuhen. Aber wir genossen sie. Sie zeigte uns, dass wir lebten.

Wir liefen einem Fluss entlang zu einem Punkt, wo sich drei Flüsse begegneten. Das Wasser floss still und ruhig an uns vorbei, langsam und gemütlich. Ohne Eile unterwegs, so wie wir. Wir sahen den Wellen zu, die sanft miteinander spielten. Verrückt mag man es nennen, als ich Schuhe und Socken auszog, meine Hosen hochkrempelte und ins eiskalte Wasser stieg. Zögernd, aber mit glänzenden Augen folgtest du mir. Die Füsse spürten wir bald nicht mehr, doch das war uns egal. Du liefst sogar zu einem etwas entfernten Steininselchen, nur um mir von dort zuzuwinken und mich lachend herauszufordern. Ich bezweifelte, dass mich meine eiskalten Füsse noch so weit trugen und bald kamst auch du zurück.

Wir freuten uns auf die Wärme zuhause.
Und spürten, wie wir lebten.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Tagesgedanken

Erinnerungen an Dich – Teil 3

Schneeschaukel (Quelle: blogigo.de)
In der Nacht konntest du selten ruhig schlafen. Ich stellte mich schlafend daneben, um dir keine Gewissensbisse zu machen, dass du mich auch wach hälst. Oder wir redeten bis uns die Augen von alleine zu fielen. Spätnachts, in den Stunden, in denen die Geister der Mitternacht bereits wieder in ihre Spuckschlösser zurückkehrten, kamen uns die tollsten Ideen.

Du warst unruhig und ich schlug vor, noch etwas spazieren zu gehen. Du hieltest es erst für einen Scherz und meintest, ich sei doch müde und würde das nur ihr zuliebe vorschlagen. Wie recht du hattest. Trotzdem brauchtest du das nicht zu wissen, denn ich wollte für dich da sein. Schlafen würde ich noch lange in meinem Leben.

Wir zogen uns etwas Warmes über und schleichten aus dem Haus deiner Eltern. Du liefst in den dicken Trainerhosen los – wer würde uns um die Zeit schon sehen. Wir wanderten und wanderten. Die stille Nacht verströmte ihre kühle Luft und ihre dunkle Ruhe. Unzählige Sterne glänzten am Firmament und beleuchteten unseren Weg. Eine Strassenbeleuchtung nur für uns zwei.

Die Schaukel eines einsamen Spielplatzes reizte dich. Wir setzten uns darauf und flogen. Immer weiter, immer höher. Den Sternen so nah wie nur möglich. Der Übermut überkam uns. Ich stelle mir vor, wie wir beide in den Himmel fliegen würden, weg von der Welt. Nur wir zwei im endlosen dunklen Himmel, den Sternen immer näher, dem Mondmann zuwinkend und immer weiter.

Zufrieden und müde spazierten wir zurück.
Nur wir zwei, in der dunklen Nacht.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tagesgedanken

Erinnerungen an Dich – Teil 2

Rusalka (Quelle: krusenstern.ch)
Wir lagen gemeinsam vor dem Fernseher. Du wolltest ja immer nur liegen, gebettet auf weiche Decken, mit der Gewissheit, dass irgendwann sämtliche Glieder entweder verkrampften oder einschlafen würden. Rusalka lief im flimmernden Bildschirm. Du mochtest diesen Film so sehr. Und trotz seiner gewissen Trostlosigkeit mochte ich ihn auch. Dieses Mädchen faszinierte mich.

Es war Winter und als wir nach dem Film zufällig einen Blick nach draussen warfen, tanzten die ersten Schneeflocken vom Himmel. Es war wie im Märchen, so dick und träge fielen sie herunter und bedeckten die Bäume und das Laub unter einem feinen Teppich aus purer, weisser Reinheit. Du schautest mich an und ich sah in deinen Augen einen verrückten Gedanken aufblitzen. Du brauchtest dir keine Mühe zu machen, mich zu überreden. Wir sprangen hinaus in die kalte Nacht, ohne Schuhe, ohne Socken. Wir tanzten durch den eiskalten Schnee und liessen die Pracht auf uns hinabregnen. Meine Füsse spürte ich bald nicht mehr, doch du tanztest noch immer. Eine Eisprinzessin, barfuss im Schnee. Eine Meerjungfrau der Kälte. Meine Rusalka.

Du warst schon immer etwas verrückt.
Und ich liebte diese Art so an dir.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tagesgedanken

Erinnerungen an Dich – Teil 1

Herbst mir Dir

Ich mag mich an unzählige Augenblicke erinnern, die wir nebeneinander im Bett verbrachten. Deine Räucherstäbchen brannten, draussen spielte der Wind und das Wetter mit dem Laub der Bäume. Schwach nur durch die leicht geöffneten Fenster hörbar. Zwei, drei Kerzen beleuchteten uns und deine Lavalampe spendete etwas Licht und Wärme.
Wir lagen einfach nur da. Du schmiegtest dich in meine Arme und hörtest meinem Herzschlag zu. Und die Zeit schien stillzustehn.

Wir redeten. Oh, und wie wir das taten! Wohl noch niemandem zuvor konnte ich so viele Gedanken anvertrauen. Wir sprachen über die intimsten Dinge, die ich oft sogar erst in dem Augenblick des Redens realisierte. Du stelltest die seltsamsten Fragen, auf die ich wie selbstverständlich mit den ungewöhnlichsten Antworten aufwartete. Wir schwankten zwischen Lachen und Ernsthaftigkeit, doch stellten wir nie unser Reden und den Moment in Frage. Nein, wir genossen was wir taten, wie wir lebten und wie wir fühlten.

In einem dieser Momente vergoss ich einige Tränen. Du fragtest besorgt, was denn los sei und wie es mir ginge.
Ich antwortete nur: „Ich bin glücklich.“
Und du freutest dich für mich.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tagesgedanken

Du und Ich

Kennst du das, wenn du aufwachst und dich die Gewissheit überkommt, dass Wochenende ist und du nicht arbeiten musst, sondern weiter bei ihr im Bett liegen kannst, deiner Partnerin über ihr wundervolles schlafendes Gesicht streichst, bevor du dich an sie anschmiegst, ihre warme zarte Haut spürst, um selber wieder einzuschlafen und diesen Moment solange zu halten wie möglich?

Kennst du das, wenn du am Herd stehst, das Abendessen zubereitest, sie sich ganz dicht hinter dich stellt, ihre Arme von hinten über deine Seiten fließen lässt, um sich ganz fest an dich zu drücken und dich zwischen die Schulterblätter küsst, und dabei ein Feuer in dir ausbricht, dass dich jede Aktion stoppen lässt, nur um sie zu spüren und keinen Sinn an etwas anderes zu verschwenden?

Kennst du das, wenn dein Handy klingelt und ihre Stimme ertönt, um dir zu sagen, was ihr gerade passiert ist, ihre Stimme vor Aufregung manchmal bricht und sie vor lachen keinen Satz rauskriegt, dass sie sich auf dich und euren gemeinsamen Abend freut, und du jetzt so gerne neben ihr sitzen würdest, um ihr dabei in die Augen zu schauen?

Kennst du das, wenn du ihre Gestik und Mimik stundenlang beobachten könntest, jede Lippenbewegung, jedes Zusammenkneifen der Augen, jeden Wimpernschlag, jedes schnelle Begutachten der Haare zwischen zwei Fingern, jeden Blick, der den Worten ihres Gesprächpartners folgt?

Aus: NEON.de

Ein wunderschöner Text.. Bei jedem Absatz tauchten wieder schöne Erinnerungen auf. Und ich könnte diese Liste sogar noch erweitern:

Kennst du das, wenn du abends neben ihr liegst und dir auf einmal alles andere egal wird; wenn die Zeit und die Termine des nächsten Tages hinter einer Nebelwand verschwinden und du nur noch sie und dich selbst wahrnimmst, wenn der Moment zeitlos wird und ewig hält und du dir wünschst, dass dieser eine Moment nicht enden möge?

Kennst du das, wenn du eine lange SMS von ihr bekommst, sie bemerkst, aber doch noch abwartest mit dem Lesen, dich in Gedanken fragst, was sie geschrieben hat, die SMS dann doch noch liest – mehrmals, um auch jede Nuance ihres des Geschriebenen in dir wirken zu lassen – und sich ein Lächeln auf deinen Lippen zeigt?

Kennst du das, wenn du Termine hast, die dir völlig zuwider sind oder du Leute treffen sollst, die du nicht magst, du aber trotzdem hingehst, im Wissen, dass sie dabei sein wird und somit alles andere egal wird und dich nichts und niemand mehr aus dem Konzept bringen kann?

Kennst du das, wenn du glücklich bist und liebst?

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Tagesgedanken