Archiv der Kategorie: Tagesgedanken

Die Melodie unseres Lebens

Nachthimmel

Einmal, wenn wir des Nachts in die Sterne blicken und die spätabendliche Stille der Welt fühlen können, erhaschen wir einen Blick auf die Wahrheit der Welt. Wir sehen, wie tiefgründig und vielfältig unser eigenes Denken und Fühlen, wie einmalig unser eigenes Leben ist. Und in diesem Moment spüren wir, was wir niemals spüren sollten und doch stets danach zu fühlen trachten: Wir erblicken die Einfachheit der Leere und die endlose Weite des Lebenssinns. Dann, und nur in diesem Moment, sehen wir die Gedanken, die tief in unserer Seele als Melodie unser ganzes Leben begleiten werden. Die Melodie, die wir erst kurz vor unserem Tod noch einmal so nah vernehmen werden. In dem Moment, in dem wir dieses Lied erneut hören, werden wir selbst ein Teil dieses Liedes, eine eigene Note in dem Stück des Lebens. Und dann sind wir nicht mehr Individuum, nicht mehr sich selbst, sondern nur noch Teil des Lebens.

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Zwischen den Stühlen

Diese Grausamkeiten [des Mittelalters] sind in Wirklichkeit keine. Ein Mensch des Mittelalters würde den ganzen Stil unseres heutigen Lebens noch ganz anders als grausam, entsetzlich und barbarisch verabscheuen! Jede Zeit, jede Kultur, jede Sitte und Tradition hat ihren Stil, hat ihre ihr zukommenden Zartheiten und Härten, Schönheiten und Grausamkeiten, hält gewisse Leiden für selbstverständlich, nimmt gewisse Übel geduldig hin. Zum wirklichen Leiden, zur Hölle wird das menschliche Leben nur da, wo zwei Zeiten, zwei Kulturen und Religionen einander überschneiden. Ein Mensch der Antike, der im Mittelalter hätte leben müssen, wäre daran jämmerlich erstickt, ebenso wie ein Wildtier inmitten unserer Zivilisation ersticken müsste. Es gibt nun Zeiten, wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten, zwischen zwei Lebensstile hineingerät, dass ihr jede Selbstverständlichkeit, jede Sitte, jede Geborgenheit und Unschuld verlorengeht.

Harry Haller in „Der Steppenwolf“ (Hermann Hesse)

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Erinnerungen an eine gemeinsame Nacht

Sonnenaufgang

Äusserlich gelassen und ruhig sitze ich da, in der Hand eine Tasse Rose d’Amour, den Blick weit entfernt in die unendliche Leere gerichtet. In Gedanken ziehen die Geschehnisse der letzten Nacht vorbei – die gemeinsamen Stunden, die Berge und Täler der Stimmungen und Momente und die Nähe und Wärme des Höhepunktes. Das Aufwachen am nächsten Morgen, welches seltsam und doch irgendwie schön war. Und gleichzeitig die Einsamkeit dieses gemeinsamen Moments, der nur scheinbar und nach aussen von Intimität geprägt war. Ich fühlte mich selten fremder. Nicht fremd gegenüber dir, sondern gegenüber mir selbst. Nicht der Moment irritierte mich, nicht was wir taten oder eben nicht taten, sondern meine Gefühle, deren Kälte und die gleichzeitige Wärme des Momentes, die widersprüchlicher kaum sein konnten. Und kaum verliess ich dein Zuhause, war ich wieder ich selbst. Liebevoll mir selbst gegenüber, voller Rücksicht auf meine Wünsche und Gefühle und mit Güte und Herzlichkeit gegenüber meinen Schwächen. Nicht mehr ausgesetzt einer Situation, der ich nicht gewachsen zu sein schien, blühte ich auf und genoss den kühlen Morgen, den Aufgang der Sonne und die Zeit mit mir selbst.
Habe ich etwa gelernt, mich selbst zu lieben, nicht angewiesen auf die Bestätigung meiner selbst durch andere? Und schon war die Kälte des nächtlichen Moments vorüber und die Erinnerung daran schien nur noch eine blasse Ahnung zu sein. Im Lichte dieses Morgens aber wird diese Erinnerung stets eine Gute bleiben. Denn in gewisser Weise war dies der erste Schritt meines Aufbruchs in eine neue Welt.

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Am morge früeh



— … —
— Schaffs eifach nöd, das ich mich erfreu, —
— ab dem woni ha, suech ständig öppis nois —
— … —

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Mediales Massaker mit Ekel-Faktor

Gestern Abend fiel wohl endgültig der Beschluss, dass ich zukünftig nur noch auf die Nachrichtenportale richtiger Tageszeitungen setzen werde und diejenige von Gratisblättern zu meiden versuche. Ich machte zwar schon immer einen grossen Bogen um bestimmte Nachrichtenportale (Blick, sag ich da nur!) und auch deren Printblätter verwendete ich nicht einmal, wenn ich sie gratis bekäme und nur zum Anzünden eines wohligen Kaminfeuers benutzten sollte. Aber was seit gestern Abend auf dem Nachrichtenportal von 20min abläuft, sprengt jede Dimension des Erträglichen und lässt auch dieses endgültig in der Versenkung meiner Achtung verschwinden.

Worum es konkret ging?
Kaum erschoss ein Amokläufer in den USA an einer Schule einige Kinder, rollte die Medienwelle los. Breaking News, gross und mit seitenfüllenden Bildern unterlegt, Live-Ticker mit allen (wichtigen?) Details, Bildern und Videos, ganze Bildstrecken von verstörten Angehörigen und Polizisten, dekorativ um die Schule postiert. Dazu laufend Einzelbeiträge zu allen Aspekten der Thematik, am besten noch verknüpft mit Analysen von Experten zu Drogenmissbrauch, Gewaltspiele und Waffengesetzen. Die Kommentarspalten voll mit Beleidsbekundungen, Kritik an Waffen, Drogen, Familienkonstellationen oder am amerikanischen Gesellschaftssystem.
Ekelerregend, wie diese Geschichte ausgeschlachtet wurde, als gäbe es auf der ganzen Welt keine andere Thematik mehr. Erst wenn man bereit war, einige Seiten zu scrollen, erkannte man, dass die Welt nicht stehenblieb und auch noch andere Ereignisse geschahen. Versprach 20min einst eine Gratiszeitung zu werden, die ein gewisses Niveau an Seriösität versprach, so ist sie heute nur noch zu einem Blick-Pendant verkommen. Mit der Bekanntheit kam die überbordende Sensationsgeilheit. Qualität ist zweitrangig und Hintergrundberichte bedeuten zu viel Arbeit. Was es braucht sind Bilder, Videos, Diskussionen und Klatsch. Hauptsache: Emotionen auslösend. Dass damit wohl unzählige Leser verprellt werden, scheint niemanden zu stören.

Traurig, liebe 20min, dass ihr so tief gesunken seid.

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Loneliness

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Lange Zeit

Herbstweg

Diese letzten Sonnenstunden,
treibend im herbstlichen Wind
und Gedanken fliegen ins Uferlose,
wo Sein und Haben nicht zu finden sind.

In Gedanken fliegen auch Gefühle,
letztlich weg von mir und doch,
bleibt ein Rest in meinem Herzen,
der Wärme und Sonne für den Winter borgt.

Diese Gedanken sind an dich gerichtet,
die du mich seit Jahr und Tag begleitest
und dein Spuren Paar im Sand sich zeichnet,
stets auf meinem Weg dabei.

Du weisst es nicht, was ich hier fühle,
sollst’s nicht wissen, einerlei,
weil du endlich würdest leiden müssen,
wenn ich nicht geben kann, was du verlangst.

Und so flieg ich im Herbstwind weg von hier,
in der Gedanken und Gefühle Boot,
schwebe, treibe, fliege, fühle,
was ich keinem Menschen je entbot.

Du bist der Wind, der mich begleitet,
mich trägst und stützt auf meinen Flug,
unsichtbar, doch immer da.
Selbst unwissend ob dem Sein in meiner Seele
und deinem Platz in meinem Herzen,
seit ich dich zum ersten Male sah.

 

[Etwas Altes ausgegraben…]

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Rückkehr ins Leben

Wenn ich beschreiben müsste, wie ich mich gerade fühle, so würde es nur auf einen Begriff hinauslaufen: Befreit.

In den vergangenen Wochen war ich wie selten bisher in meinem Leben so stark auf mein Innerstes fixiert und habe den Kontakt zu jeglicher Aussenwelt verloren. Als wäre das Draussen nur ein Schatten der Erinnerung, so verweilte ich in dem wohlbekannten Garten meiner Seele. Jeden Baum und jeden Strauch kenne ich, jede Blume ist mir bekannt seit dem Zeitpunkt, an dem sie die ersten Spitzen ihrer Blüte aus der Erde streckte. Und doch lebt der Garten und verändert sich in jeder Sekunde meines Lebens. Wo im letzten Moment noch glatte Erde war, zeigen sich im Nächsten die ersten Anzeichen von neuem Leben. Und dieses Leben ist kostbar und will beschützt werden. Doch wie soll das gelingen, wenn der Hüter des Gartens damit beschäftigt ist, sich selbst zu schützen?

Wie ein Befreiungsschlag scheint nun dieser Moment, in dem ich einfach nur sein kann und jegliche Kontrolle über meine Gedanken verliere. Und mich wieder spüre. Da ist etwas, das selbst nicht in meinem Garten präsent war und lediglich als zarte Wolke vor der Sonne erschien. Nichtsahnend, dass die Wolke nur meine Missachtung vor der Sonne selbst war, lebte ich dahin. Jetzt, da die Wolke sich aufgelöst hat und die erste Herbstsonne mir in das Gesicht scheint, mich wärmt und mit ihren Strahlen zärtlich streichelt, fühle ich die Verbundenheit zum Leben und die Kraft deiner Anwesenheit. Erschienst du mir in den vergangenen Wochen nur eine wichtige Begleiterin meines Lebens zu sein, so warst du doch stets die Wichtigste gewesen. Wie blind wandelte ich durch den Alltag, nicht erkennend, wofür ich eigentlich lebte. Es gab sogar Momente, in denen ich meine Gefühle auf andere Menschen projizierte, nur um der Wirklichkeit entgehen zu können. Denn du bist es, die mich zurück ins Licht führte, die mir Sonne war und die mir den richtigen Pfad zurück in mein Leben zeigte.

Nackt bin ich nun. Nackt stehe ich vor meinem Leben und vor dir und unmöglich scheint mir, mich vor der Wahrheit zu verbergen. Und auf diese eine bestimmte Art und Weise bin ich glücklich darüber. Denn du hast mich vor diesem Schatten befreit und mir die Freude meines Lebens zurückgegeben.

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Iranian, Gay & Seeking Asylum

Iranian, Gay & Seeking Asylum from Glen Milner on Vimeo.

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Chipmunk Dudes

Ohne Worte. Und eigentlich auch nur, weil der Song seltsamerweise zu meiner konfusen happy-crazy-chipmunk-Stimmung passt. Und so.

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