Heimat

Heimat.

Einige würden sagen, dass Heimat für sie alles sei. Dass dieses Gefühl des Ankommens, die Bilder von bekannten Häusern, der gewohnte Himmel und die mit jedem noch so unscheinbaren Stein verknüpften Erinnerungen die Erscheinung von Heimat ist.

Wenn ich nach Hause fahre.

Was bedeutet das denn überhaupt, das “Zuhause”? Ist das da, wo man am längsten wohnte? Ist das der Ort, der mit der intensivsten Zeit des eigenen Lebens verbunden ist? Vielleicht der Ort, der mit der eigenen Kindheit am meisten verknüpft ist? Oder ist es einfach nur dort, wo man gerade jetzt die Nächte verbringt, schlafend im eigenen Bett, eingemummelt unter tausend Decken und Kissen, geborgen in einer Wolke der Wärme.

Doch wenn ich zu meinen Eltern fahre.

Ja, wenn ich zu meinen Eltern fahre, dann freue ich mich auf die letzten Kilometer mit der Bahn. Wenn der Waggon den letzten Tunnel durchfährt und mit einem Mal der Blick auf das Tal frei wird. Die Sonne spiegelt sich im glitzernden blauen See, eingeschlossen von Bergen und in weiter Ferne eine Ahnung von grünen Wiesen und vereinzelten Häusern. Dann und wann liegt noch etwas Schnee auf den höchsten Spitzen der Berge. Und selbst wenn die Sonne einmal nicht scheinen sollte, so bleibt doch eine unvergleichliche Schönheit bestehen, die man jedoch erst erkennt, wenn man sie lange nicht mehr gesehen hat.
Und überrollt von einer Woge der Freude fliessen, selten zwar, doch niemals vergebens, vereinzelt ein paar Tränen über die Wange. Denn dieses Bild von Schönheit ist nicht nur Natur und Sein, sondern noch viel mehr. Es sind Erinnerungen und Szenen aus meiner Kindheit. Bilder, die so sehr eingeprägt sind, dass sie nie mehr meinen Geist verlassen könnten.

Und wenn ich bei meinen Eltern bin.

Nun, so viele Erinnerungen verbinden mich mit dem Ort meiner Kindheit und Jugend. Auch viele traurige und negative Erinnerungen. Szenen, die ich gerne vergessen würde. Und doch, gehören auch sie zu diesem Ort.

Heimat.

Ist denn Heimat nicht nur ein Ort, wo nur Gutes herrschen sollte? Heimat ist doch Ankommen, Freude, Geborgenheit und Liebe. Und doch ist Heimat auch Trauer, Wut, Verstörung und Enttäuschung.
Nein, Heimat ist nirgendwo. Nicht an einem Ort, nicht bei einem Menschen, nicht in den Erinnerungen. Heimat lässt sich nicht suchen und kreieren.
Heimat lässt sich nur finden.
In uns selbst.

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