Ich Gärtner bin müde, denn der Sturm ist zu stark.

Ich töte mich mit Kaffee. Tasse um Tasse. Draussen ist es noch dunkel. Die Uhr zeigt kurz nach Sechs.

Ich träumte. Von dir träumte ich. Nicht so, wie ich üblicherweise träume, sondern… Ich träumte, dass ich dich küsste. Dass wir uns küssten. Lange und intensiv und voller Gefühle. Es war schön und doch war da kein Kribbeln im Bauch, kein Gefühlssturm – ich blieb kalt und herzlos, auch wenn ich dir verfallen war.
Das Verrückte war, dass ich diesen Kuss herbei sehnte, ihn genoss. Ich mochte es, deine Nähe und Wärme zu spüren, deine Haare zu riechen, deine zarte Haut zu fühlen. Doch der Kuss war nur nass und gefühllos. Doch du wolltest ihn und ich wollte ihn. Und nach dieser gefühlten langen Zeit der Nähe hatte sich nichts verändert. Du bliebst du und ich blieb ich. Und eine Mauer der Fremde trennte uns noch immer, auch wenn wir uns in den Armen hielten. Gerade weil du du bleibst und ich mich dir nicht anpassen würde, werden wir uns nie näher sein, uns nie weniger fremd sein. Doch ich wünschte es.
Ich wünschte, du wärst meine Gefährtin, meine Stütze, mein Symbol für eine ruhigere Zukunft. Jetzt aber bist du nur ein Symbol für eine unruhige Vergangenheit, meine Verbindung zu dem, was war und nicht mehr sein sollte. Mein Anker in der alten Welt, die noch so voller Sturm und Tränen war. Doch meine Zukunft kann rosig sein, voller Freude und Leben. Nur du hältst mich noch fest und lässt mich nicht los, hinderst mich daran, diese Zukunft zu beschreiten und zu leben.
Du selbstsüchtiges Wesen! Einer Spinne gleich hast du dein Netz um mich gesponnen und hältst mich gefangen. Mein Körper scheint gebändigt, doch meine Gefühle hast du entfesselt und einem Sturm gleich toben sie nun im Meer meines Körpers und in der endlosen Weite meiner Seele. Der Garten meines Ichs gleicht einem Wäldchen nach dem Sturm – die Bäume gefällt, die Sträucher entwurzelt, die Blumen verschwunden in der aufgewühlten Erde. Doch wie soll man einen Garten hegen und pflegen, wenn in schöner Regelmässigkeit dieser Sturm wütet und alle begonnenen Veränderungen wieder mit der Wurzel ausreisst?

Ich Gärtner bin müde, denn der Sturm ist zu stark. Und der Sturm bist du, meine Gefühle für dich. Und sollte der Sturm das nächste Mal auftauchen, werde ich zu kraftlos sein, um ihm auch nur schwach entgegen rufen zu können: „Bitte, lass gut sein!“ Auf Knien werde ich warten, bis er vorübergezogen ist. Und von neuem meine Zeit und Kraft dem Aufbau widmen.

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Eingeordnet unter Gedichte, Tagesgedanken

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