Des Gimpels schmales Augenlicht

Eilig springt der blinde Gimpel,
furchtlos auf die Hecke zu.
In dieser scheint, so meint er sicher,
eines Weibchens Heim zu sein.

Freudig zwitschert er ein Liedchen,
lockt das Weibchen aus dem Grün.
Wütend über diese Störung,
zeigt sie wild den Flügel ihm.

Des armen Gimpel Augenlicht,
verrät ihm nichts von dieser Geste,
sodass das Weibchen fürchterlich,
sein Gesichtchen attackiert.

Des Weibchens Wut ihn überrascht,
fliegt er eilig schnell von dannen.
Hätt er gesehen, wem er da zwitschert,
wär er wohl nie dort gelandet.

Verloren hat sein Augenlicht,
er im Streit mit seiner Frau.
Die, wen wunderts sonderlich,
danach nicht mehr seine Gattin war.

So mag seltsam es erscheinen,
zwitschert er grad ihr ein Lied.
Hätt er noch gesehn, wen er umgarnt,
er wäre nun trotz allem blind.

Und die Moral von der Geschicht:
Sehen kann man, oder nicht.

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