Ein Männlein steht im Walde

Blatt im Licht

Es streift ein kleines Männlein dort,
durch des Waldes Dickicht.
Hüpft von Baum zu Busch zu Blatt,
wenn du’s nicht kennst,
erblickst du’s nicht.

Auf einmal hält in seinem Tun,
das Männlein inne wie erstarrt
und blickt verwundert und ganz scheu
auf ein besonders schönes Blatt.

„Dieses Blatt“, so sprach es leis,
„ist ein Wunderwerk dieser Natur.“
Sprachs, und nahm es zögernd auf,
als wärs zerbrechlich wie Kristall.

„Oh, Blatt, du sollst nun immerdar,
mir meine Zeit versüssen.
Stets pflegen werd ich deine Haut,
die Schönheit dir erhalten.“

Das Blatt sprach nun mit einem Male:
„Kleines Männlein, warte doch!
Glücklich bin ich hier bei dir,
mehr brauch und will ich einfach nicht.“

Stumm lief das Männlein durch den Wald,
das Blatt in Händen wie ein Schatz
und meint auf einmal zögerlich:
„Dann lass mich dich nur lieben.“

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