Day 06 – A Book that makes you cry

Eine klischeehaft absolut unmännliche Kategorie, aber nichtsdestotrotz existiert sie. Und sie bekommt sogar einen Eintrag spendiert, der mich tatsächlich zum Weinen gebracht hat. Nicht aufgrund der Traurigkeit des Buches, sondern viel mehr ob seiner Schönheit.

Brief an D. (btb Verlag)

Dieses Buch wurde vom Sozialphilosophen André Gorz (richtiger Name: Gerhard Hirsch) in den letzten Jahren seines Lebens geschrieben. Eigentlich war es gar nicht zur Veröffentlichung gedacht sondern sollte nur ein (sehr langer) Liebesbrief an seine Frau Dorine sein. Nach seinem Tod wurde es dann doch veröffentlicht (zum Glück, darf man hier wohl ruhigen Gewissens anmerken).

Das Buch beginnt mit folgenden Zeilen:

„Bald wirst Du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist Du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag.“

und endet mit:

„Soeben bist Du zweiundachtzig geworden. Und immer noch bist Du schön, anmutig und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag. Nachts sehe ich manchmal die Gestalt eines Mannes, der auf einer leeren Strasse in einer öden Landschaft hinter einem Leichenwagen hergeht. Dieser Mann bin ich. Und Du bist es, die der Leichenwagen wegbringt. Ich will nicht bei Deiner Einäscherung dabei sein; ich will kein Gefäss mit Deiner Asche bekommen. Ich höre die Stimme von Kathleen Ferrier, die singt: ‚Die Welt ist leer, ich will nicht leben mehr‘, und ich wache auf. Ich lausche auf Deinen Atem, meine Hand berührt Dich. Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen. Oft haben wir uns gesagt, dass wir, sollten wir wunderbarerweise ein zweites Leben haben, es zusammen verbringen möchten.“

Und irgendwie glaube ich daran, dass sie dieses zweite Leben tatsächlich miteinander verbringen. Sie haben sich entschlossen, gemeinsam diese Welt zu verlassen, nachdem eine Gesundung von Dorine unmöglich schien. Und gemeinsam werden sie wohl die Welt in der einen oder anderen Gestalt wieder betreten haben.

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Eingeordnet unter 30 Day Book Meme

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