Einladung zum Mittagessen

Ein dunkles Hinterzimmer in einer heruntergekommenen Spelunke am Stadtrand einer Grossstadt. Ein älterer Mann sitzt in dem verrauchten Zimmer an einem Tisch und blättert in einigen Papieren. Neben sich ein bis zum Rande gefüllter Aschenbecher. Die letzte Kippe liegt noch auf dem Rand und verbreitet zaghaft etwas Rauch.

Vor der Spelunke. Düstere Morgenstimmung herrscht und selbst die ersten Sonnenstrahlen schaffen es nicht, den Dunst der Abgase zu durchbrechen. Ein Mann, gekleidet in Mantel und Hut betritt die Spelunke und lässt seinen Blick durch den Raum schweifen. Stille herrscht und die wenigen Gäste, die von der frühen Stunde noch nicht hinausgetrieben wurden, meiden seinen Blick. Sein Gesicht im Schatten verborgen nickt er dem Barkeeper zu und läuft an der Theke vorbei ins Hinterzimmer.

Als er das Hinterzimmer betritt drückt der andere gerade seine Kippe aus. Die Asche wirbelt auf und legt sich auf den Tisch, doch das scheint ihn nicht zu stören. Er nickt dem Ankömmling zu und legt seine Papiere aus der Hand.

„Setz dich“, sagt er mit heiserer Stimme zu seinem Gast und deutet auf den wackligen Stuhl vor seinem Tisch. „Ich habe einen Auftrag für dich.“
Er kramte sein Zigarettenpäckchen hervor und steckte sich eine Kippe zwischen die Lippen. Als er sie anzünden wollte, sprühte sein Feuerzeug nur einen kläglichen Rest von Funken. Er flucht und legte die Kippe wieder ins Päckchen zurück.
„Beschissener Morgen. Nun gut, es gibt da etwas, was du für mich tun kannst. Mein Patensohn benötigt unsere Hilfe. Er will sich mit einer jungen Dame zum Essen treffen, doch sie weigert sich beharrlich, ihn zu treffen. Niemand weigert sich, jemandem aus unserer Familie die Ehre zu erweisen. Verstehst du? Niemand! Und wenn jemand aus unserer Familie beleidigt wird, beleidigt diese Person die ganze Familie! Ich will, dass du das für mich regelst. Sie wird ihn treffen und zwar heute zum Mittagessen um Eins. Lebendig, ist das klar?“
Der Mann nickte, erhob sich und ging zur Tür. Er legte die Hand auf die Klinke, drehte seinen Kopf und sagte noch: „Ich werde ihr ein Angebot machen, das sie nicht ausschlagen kann“. Dann verliess er den Raum und die Spelunke und verschwand im morgendlichen Dunst der Grossstadt.

— Eine etwas andere Einladung zum Mittagessen —

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