Volkskrankheit Nr. 1?

Hamlet auf der Suche nach dem Sinn des Lebens
Jeder Mensch gelangt in seinem Leben an einen Punkt, an dem er sich die Frage nach dem Sein und Zweck stellt.
„Wer bin ich?“
„Wieso lebe ich?“
Doch kann keiner von sich behaupten diese Fragen je restlos und allgemeingültig beantworten können zu haben.

Geschichten vor unserer Zeit
Seit Beginn des menschlichen Denkens besitzt der Mensch das Bedürfnis zu glauben. Schon immer erklärte der Mensch ihm unerklärliche, verstörende oder verletzende Ereignisse als Ausdruck und Willen einer höheren Macht. Diese Ereignisse sollten nicht einfach geschehen sein sondern stets aus einem bestimmten Grund erfolgen. Diese Ereignisse sollten uns Menschen auf etwas aufmerksam machen, das unser Leben verbessern oder korrigieren, uns selbst also in die richtigen Bahnen zurückführen könnte. Aus der Angewohnheit des Menschen heraus, stets Fehler zu machen, liess sich natürlich immer ein verbesserungswürdiger Umstand ableiten.
Bis vor einigen Jahrzehnten liess sich der Mensch gerne ohne Zweifel von verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen leiten. Er hatte somit seinen Anker, der ihn durchs Leben führte, ihm also die Richtung wies und unbequeme Fragen verdrängen liess.

Einzelgänger im Glauben
Die Tatsache, dass in unserer heutigen Gesellschaft sich immer mehr Menschen als religionslos erklären, kann verschiedenste Ursachen haben. Ein Umbruch im Denken der Menschheit (vielleicht hatte der Übergang zur Demokratie und dem mitbestimmenden Denken mehr Einfluss auf uns als wir vermuten), ein Überdruss nach dem Fehlverhalten der Kirchen bei so vielen Gelegenheiten oder ein evolutionärer Fortschritt… Die Gründe sollen hier nicht zur Sprache kommen. Vielmehr sind die Folgen bedeutsam: Trotz der Religionslosigkeit glaubt jeder Mensch weiterhin an etwas. Sei es an Gott, an eine Form des Schicksals oder auch nur daran, dass es kein übernatürliches Wesen gibt. Es scheint, als ob jeder Mensch etwas braucht an das er glauben kann.

Wunsch nach Erinnerung
Die Endlichkeit des Lebens lässt den Drang des Menschen nach Geltung und Bedeutung aufhorchen. Spätestens auf dem Sterbebett taucht die Frage auf, ob das denn nun alles war.
„Was hinterlasse ich der Welt?“
„Was werden die Menschen später über mich denken?“
„Werden sie sich überhaupt noch an mich erinnern?“
Konfrontiert mit der potentiellen Nichtigkeit unseres Daseins erhält der Wunsch nach einem tieferen Sinn höchste Priorität und Bedeutung.

Ist Sein denn alles?
Eine beinahe endlose Abfolge von Momenten bestimmt das Leben des Menschen. Jeder Mensch durchschreitet vordefinierte Stadien der eigenen Entwicklung und erlebt sie doch jeweils auf eine ganz eigene Art und Weise. Während sich einige von Moment zu Moment treiben lassen und nur wenige Gedanken an die Zukunft verschwenden, hangeln sich doch wiederum einige von Tag zu Tag, gequält von der Frage nach dem Sinn. Es reicht nicht einfach nur zu leben. Der Mensch möchte mehr, möchte Bedeutung und einen tieferen Sinn seines Lebens. Unzählige Ratgeber plädieren für Mitgefühl, für persönliche Entwicklung, für maximalen Profit oder auch einfach nur für die Unterstützung Anderer und die Nächstenliebe. Der Mensch will mehr, wenn möglich immerwährendes Glück, Erfolg und den Respekt aller Anderen Menschen (diese nur als grundlegende Forderungen an das Leben).

Depression als Symptom?
Die Depression hat mittlerweile den Status der bedeutendsten Volkskrankheit erreicht. Diese emotionale Leere und das Gefühl des inneren Totseins erfasst immer mehr Menschen. Doch gestehen sich nur mehr Menschen dieses Problem ein oder steigt die Krankheitsrate tatsächlich an? Wäre es nicht sogar möglich, dass hinter der Depression etwas viel Tieferes und Bedeutenderes steckt?
Die Depression führt die betroffenen Menschen dazu, intensiver über ihr eigenes Leben nachzudenken. In den meisten Fällen unfreiwillig zwar, doch die Tatsache, dass man bereits in jungen Jahren sich die bedeutenden Fragen nach dem Sein und Werden stellt bietet auch die Chance, die kommenden Jahre positiv zu beeinflussen und nicht erst nachträglich an allen nicht erreichten Zielen zu verzweifeln. Die Depression soll hier aber keineswegs banalisiert oder sogar heroisiert werden. Die Frage soll aber hier aufgeworfen werden, ob die Depression nicht ein bewusstes Mittel oder ein Ausdruck unserer eigenen Intelligenz ist um das Bewusstsein des Menschen auf die existenzielle Bedeutung der Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens zu lenken. Ist die Depression ein Mechanismus des Selbstschutzes des menschlichen Unterbewusstseins vor erahntem Unheil?

Opfer der Intelligenz
Der Mensch hat im Laufe der Evolution sehr vieles erreicht, das ihn von den übrigen Lebewesen abhebt. Moralisch besser ist er zwar dadurch nicht geworden, doch hat er in relativ kurzer Zeit erreicht, wofür andere Arten Tausende bis Millionen von Jahren benötigt haben.
Der Punkt ist aber nun erreicht, an dem die Menschheit inne hält und sich fragt, was über der eigenen Gesellschaft steht. Die normative Formung durch die Demokratie und die Gesellschaftsstruktur hält den Alltag in Gang, doch das übergreifende, das über den Alltag hinausgehende bleibt fremd, ungewiss und verunsichert alle. Die Menschen sind intelligent genug, um sich diesen Fragen nach dem Mehr des Seins zu widmen, doch noch nicht intelligent genug, um sie auch beantworten zu können. Und selbst wenn eines Tages die Antwort gefunden würde, wird er noch zu wenig intelligent sein, um diese auch begreifen zu können. Der Mensch ist ein Sklave seiner eigenen Intelligenz geworden.

Fazit
Auch auf die Gefahr hin bestehende Glaubenskonzepte aufzugreifen und als eigene Erkenntnis auszugeben, möchte ich ein Fazit hier anfügen. Der obige Text soll zum Nachdenken anregen, neue Gedankengänge anstossen.
Mein persönliches Fazit aus dem bisherigen jahrelangen Nachdenken und Sinnieren ist aber, dass es keinen allgemeinen Sinn des Lebens gibt. Schlussendlich ist der Mensch nur ein Zusammenspiel von Atomen, von Nerven und Impulsen. Die Evolution hat aber einen grossen Fehler bei uns eingebaut, der die Entwicklung nicht bremste, als es nötig war. Das Streben nach mehr hat die Weiterentwicklung des Menschen noch mehr gefördert. Wir denken nicht nur einfach mehr, wir denken über unser eigenes Denken. Der Mensch hat ein persönliches Meta-Denken entwickelt, das ihn nun in ein unlösbares Dilemma lenkt.

Der einzelne Mensch wird sterben und vergessen werden. Im Grossen und Ganzen hat unser persönliches Leben aber keinen anderen Sinn als einfach nur zu leben. Gewöhnen wir uns an diesen Gedanken, finden wir uns damit ab und machen das Beste daraus.

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