Die Motz-Kultur

Läster-Lili

Ich will ja nicht meckern, aber ohne zu meckern kann man sich nun mal nicht über die heutige Umgangs-Kultur in einem Unternehmen auslassen.
Womit wir schon beim Thema sind.

Es scheint mittlerweile bei Mitarbeitern absolut In zu sein, sich über Kleinigkeiten aufzuregen.
Über Chef’s, die nie da sind (weil sie gestresst von Sitzung zu Sitzung tingeln),
über angeblich bevorzugt behandelte Mitarbeiter (die selbst nichts davon bemerken und sich ihrerseits über dasselbe beklagen),
über die unterschiedlichen Löhne für dieselbe Arbeit (ohne die verschiedenen Qualifikationen der Personen in Betracht zu ziehen),
über die langweilige oder nicht körpergerechte Arbeit (gleichzeitig aber alles tun, um dem eigenen Körper erst recht zu schaden).

Bin ich nun der Einzige, der am liebsten einen Joint (wenn ich denn einen hätte) aus der Tasche ziehen würde und die Meckerer zur gemeinsamen Entspannung einladen möchte?
Um das mal genauer auszuführen:
Die körperlichen Reaktionen auf Unzufriedenheit sind? Genau, Stress. Wer also stets jammert und sich beklagt sorgt selbst für andauernden Stress. Und Stress ist Ursache Nummer Eins für Herzinfarkte und diverse menschliche Eigenarten wie Fresssucht (zur Stressbewältigung), Rauchen (dito) und Saufen (noch einmal dito).
Ein unzufriedener Mensch ist also, so stelle ich mal die provokative These auf, masochistisch veranlagt (oder einfach nur unfähig, Probleme zu lösen). Statt eigene Probleme zu lösen überspielt er sie mit Unwichtigkeiten, über die er sich 24 Stunden am Tag (ja, auch im Schlaf, nämlich im Traum) aufregen kann. Was letztlich nicht nur ihm selbst schadet, sondern auch dem Arbeitsklima.
Eine weitere These wäre also: Meckern ist ein aggressiver Virus. Hochansteckend und nur schwer heilbar. Und was das Beste ist: Man behandelt dieses Virus, um vorerst in dieser Metapher zu bleiben, mit Bonbons statt Medikamenten. Sprich: anstelle die Ursache der Meckerei, den Mecker-Motor (aka Mitarbeiter) darauf anzusprechen und notfalls „auszuschalten“, regt man sich selbst ebenso über Kleinigkeiten auf.
Schlussendlich ist das Arschloch (man möge mir den harten Ausdruck verzeihen) sowieso stets der Chef.

Natürlich: Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein. Jeder regt sich einmal über irgendetwas auf. Es wäre sogar äusserst seltsam, wenn sich jemand niemals über etwas aufregen würde! Aber wäre es nicht sinnvoller, all diese Energie in die Beseitigung der wirklich wichtigen Probleme zu stecken? Die Ursachen der Motz-Kultur anzugehen und sie ein für alle Mal vom Erdboden zu tilgen?
Solange die Meckerer in der Überzahl sind wird die Antwort leider stets „Nein“ lauten.

Wahrscheinlich wird jetzt jeder eine Lösung von mir erwarten. Nun, die ist stets individuell je Betrieb und Person. Der einzige Rat, der hier allgemeingültig ist, ist der freundschaftliche Umgang mit jedem (!) einzelnen Mitarbeiter, unvoreingenommen und die bisherigen Erfahrungen in den Hintergrund schiebend. Ich weiss, Vorurteile und Ersteinschätzungen sind evolutionär ganz praktisch, zur Konfliktbewältigung aber völlig ungeeignet. Ja, sogar kontraproduktiv. Also weg mit den Vorurteilen und die Beziehungsebene (frei nach Schulz von Thun) wenn möglich bei allen Aussagen solcher Personen völlig ausschalten.

Gutmenschentum und Naivität? Vielleicht. Dafür lebt man länger und hat ein weitaus schöneres und angenehmeres Leben.

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