Ausländer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren

Ich wohne ja nun seit einigen Wochen in einem Appartementhaus in Pratteln. Grundsätzlich ist ja der Ausländeranteil in Pratteln sehr hoch, darum verstanden auch viele nicht, dass ich ausgerechnet hier hingezogen bin. Diesen hohen Anteil bemerkt man auch durchaus, auch wenn ich diesen Ort nicht gerade mit Harlem vergleichen würde – weiss Gott, bei weitem nicht.

Gestern geschah nun aber etwas, das meinen Glauben an die Ausländer völlig ruiniert hat:
Der Eingang zum Haus ist eine klassische Doppeltür. Sprich: Eingangstür, die immer offen ist, ein kleiner Vorraum mit den Klingelschildern und dann eine stets abgeschlossene zweite Tür um ins Treppenhaus zu gelangen. Eine Einrichtung, die zwar grundsätzlich Sicherheit gibt, aber immer auch etwas mühsam ist, wenn man nur kurz den Müll rausbringen möchte. Was gestern nun wieder der Fall war. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, lungerte dort bereits eine Gruppe ausländischer Jugendlicher im Treppenhaus herum, die irgendeinen Streit austrugen:
Person 1: „Mann, wieso provoziersch du mich?“
Person 2: „Was sell das, Mann? Mach ich gar ned!“
Person 1: „Mol, Mann, du provoziersch mich immer!“
Die Lautstärke des Dialogs war übrigens dem Inhalt durchaus angemessen. Zum Glück sind die Wohnungen gut isoliert. Ich schnappte mir also in meiner Wohnung den Müllsack und ging wieder an den Jugendlichen vorbei nach draussen zum Container. Die niveauvolle Diskussion hatte sich mittlerweile etwas beruhigt, wohl auch, weil Person 2 in seinem wohlbehüteten Heim verschwunden ist.
Als ich wieder vom Container zurück kam, kramte ich den Wohnungsschlüssel hervor, der natürlich wieder in der Hosentasche war, in die ich sonst nie Schlüssel zu versorgen pflege.

Dann geschah etwas, auf das ich nun wirklich nicht vorbereitet war: Person 1, die dort immer noch mit ein paar anderen auf einer Bank herumlungerte, stand auf, kam zur Türe (zugegeben, es waren nur zwei Schritte für ihn), öffnete sie mir und sagte höflich: „Grüezi“.
Zuerst war ich völlig irritiert, erinnerte mich dann aber an meine Manieren und erwiderte ein höfliches „Danke“.
Ich erwartete beinahe ein Lachen der Gruppe, die sich wohl irgendeinen Spass daraus machte, wenn auch, zugegebenerweise, ein sehr angenehmer Spass, aber nichts dergleichen. Sie sprachen normal weiter, wo sie vorhin aufgehört hatten.

Und die Moral von der Geschicht:  Wenn du Beständigkeit erwartest, vertrau auf Vorurteile nicht.

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