Über die Schwierigkeit des Nichtstuns

Aus der Sicht des Betrachters:
Er sitzt da und starrt auf den Bildschirm, eine Hand liegt auf der Maus, die andere ist locker auf der Tastatur abgelegt. Von aussen betrachtet wohl eine typische Büroszene, deren man keine weitere Beachtung schenken würde, wäre da nicht…

Die fast schon totale Regungslosigkeit verwirrt den Beobachter. Wäre er älter, könnte man denken, er sei friedlich an einem Herzinfarkt erlegen, oder im Sitzen einfach verstorben. Aber er ist jung, wohl knapp über zwanzig Jahre alt. Er sitzt da und starrt. Die Maus bewegt sich nicht. Nicht ein Buchstabe auf der Tastatur wird getippt. Ein Asien-Kenner könnte auf den Gedanken kommen, dass er meditiert, aber dafür wirkt die Szene zu gestresst, zu rastlos. Die Augen flackern, ab und zu zuckt das Auge nervös. Und trotzdem verharrt er in dieser Position.

Aus der Sicht des Betrachteten:
Dieser Nachmittag dauert nun schon eine gefühlte Ewigkeit. Eigentlich hätte ich viele Projekte, die ich bearbeiten müsste. Projekte, die auf den Abschluss warten. Aber wie soll man an diesen arbeiten, wenn ich das Okay oder den Rat von Dritten benötigt? Dritte, die nirgendwo aufzutreiben sind, oder wenn, dann nur in solcher Hektik, dass sie für alles andere nur nicht für mich Zeit finden?
Am Anfang ist es ja nicht so schlimm. Ich geniesse die Zeit, die ich, sozusagen auf erlaubte Art und Weise, mir selbst widmen kann. Ich lese die privaten Mails, statte dem heutzutage obligatorischen Gesichterbuch einen Besuch ab oder lese ein bisschen in einer Onlinezeitung. So kann ich etwas Zeit totschlagen, während ich darauf warte, dass die Gesuchten wieder auftauchen oder Zeit für mich finden.
Tun sie nicht.
Na gut, dann also weiter in der Selbstbeschäftigung. Ich erinnere mich an Blogs, die ich schon lange nicht mehr besucht habe. An Witze-Seiten, andere Onlinezeitungen als die Übliche. Irgendwann habe ich alle Seiten besucht, die mir in den Sinn kommen. Dann muss Google für irgendwelche unsinnigen Suchaktionen herhalten. Zwischendurch ein kleiner Test, ob ich jetzt weiterarbeiten kann..
Kann ich nicht.
Ich könnte mir noch irgendwelche Gedanken machen. Zum Beispiel wie ich die Wohnzimmermöbel umstellen könnte, was ich alles nach der Arbeit noch einkaufen muss, was ich am Wochenende wieder mal machen könnte.
Etwas Bewegung hilft auch, also laufe ich ziellos am Arbeitsplatz umher, statte Arbeitskollegen Besuche ab, gehe öfter und länger als nötig auf die Toilette. Blick auf die Uhr: viel zu früh für Feierabend.
Irgendwann sitze ich wieder an meinem Arbeitsplatz und warte. Ich habe alles durchgedacht, was ich denken könnte, ich habe das Ende des Internets erreicht – zweimal.
Jetzt sitze ich da und warte. Praktisch reglos starre ich den Bildschirm an und warte darauf, dass entweder Zeit für Feierabend wird, oder ich irgendwann weiterarbeiten kann.

Ich warte, und warte, und warte..
Ich wüsste zu gern, was jemand über mich denken würde, der mich jetzt beobachten könnte..

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Eingeordnet unter Tagesgedanken

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