Bundesrat Leuenberger tritt zurück

Breaking-News: Bundesrat Leuenberger tritt zurück!

In einer sehr kurzfristig anberaumten Pressekonferenz (erst um 10 Uhr heute morgen lud er zur Veranstaltung um 11 Uhr ein) erklärt Bundesrat Moritz Leuenberger seinen Rücktritt auf Ende des Jahres 2010. Dies tut er bereit jetzt mit Blick auf sein Amt als Bundespräsident für das Amtsjahr 2011. Moritz Leuenberger begleitete als Verkehrsminister den Bau der NEAT und zeigte sich diesbezüglich auch erfreut, dass er den Durchbruch noch während seiner Amtszeit miterleben konnte. Desweiteren brachte er auch die Bahn2000 und die LSVA voran sowie eine CO2-Steuer, sodass eine Grundlage für den Ausbau des ÖV gelegt wurde. Nun tritt er nach 14 Jahren in Amt zurück. Damit ist er der dienstälteste der aktuellen Bundesräte.
Nach der Pressekonferenz wird nun spekuliert, ob eventuell ein Doppelrücktritt aktuell wird. Moritz Leuenberger machte diesbezüglich aber keine Andeutungen, dass gleichzeitig auch Bundesrat Hans-Rudolf Merz oder Bundesrätin Micheline Calmy-Rey zurücktreten könnten. Diese beiden Bundesräte sind seit längerem in Kritik geraten, einerseits wegen der Libyen-Krise, andererseits wegen diverser Fehltritte Calmy-Rey’s in ihrem aussenpolitischen Amt.

Moritz Leuenberger war für mich persönlich wohl einer der ehrlichsten Bundesräte. Er zeigte sich durchaus auch mal genervt von Journalisten, wie er an der Konferenz auch offen zugab, als er sagte, dass er beim Bundesratsausflug keine Journalisten dabei haben wollte und auch deswegen einen missmutigen Gesichtsausdruck beim Foto hinter dem selbstgemalten Bild zeigte. Er forderte immer wieder auch etwas Menschlichkeit und Respekt gegenüber der Führung des Landes. Damit zeigte er der Bevölkerung, dass die Bundesräte auch nur Menschen sind, was in den letzten Jahren immer mehr in Vergessenheit geriet. Bundesräte sollten mehr und mehr perfekt funktionierende Maschinen sein. Jeder minimale Fehler wurde auf die Goldwaage gelegt und die Führungspersonen von den Medien und insbesondere den politischen Gegnern (allen voran die SVP) beinahe gemobbt.
Ein weiterer Pluspunkt ist sein Blog, den er regelmässig mit Beiträgen zu aktuellen Themen unterhielt. Damit zeigte er seine Nähe zur Bevölkerung, was ihn für mich noch sympathischer erscheinen liess. Desweiteren schrieb er alle seine Reden selbst und liess diese Aufgabe nicht, wie sonst üblich, von einem Ghostwriter erledigen. Alle seine Reden veröffentlichte er im Buchhandel in insgesamt drei Büchern.
Als ich mich vor einigen Jahren für die Politik zu interessieren begann, erklärte Ex-Bundesrat Adolf Ogi gerade seinen Rücktritt. Damals war Moritz Leuenberger bereits vier Jahre im Amt (im Jahre 1995 wurde er gewählt). Damit ist er beinahe eine Art Kindheitserinnerung für mich.

Ich wünsche Moritz Leuenberger alles Gute in seiner „Amts-Pension“ und danke ihm für die jahrelange konstruktive, ehrliche und vorallem aufopfernde Politik zu unseren Gunsten.

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